Mit dem Auto durch die Schweiz: Tipps für die Ferienfahrt

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Es gibt einen Moment auf fast jeder Schweizer Ferienfahrt, an dem das Ziel unwichtig wird. Die Strasse legt sich in eine Kehre, unten liegt ein See in einem Blau, das nach Postkarte aussieht, und auf dem Kiesstreifen am Rand stehen schon zwei andere Autos mit heruntergelassenen Scheiben. Zwanzig Minuten später fährt niemand schneller als vorher.

Genau darin liegt der Reiz einer Autoreise durch dieses Land. Die Distanzen sind klein, die Landschaft wechselt alle halbe Stunde, und die Strecke selbst ist oft die schönste Sehenswürdigkeit des Tages. Vorausgesetzt, man plant sie nicht wie eine Transitfahrt.

Hilfreich ist, sich vor der Reise kurz mit der Beschilderung vertraut zu machen, denn sie weicht von jener der Nachbarländer ab: Autobahnen sind grün signalisiert, Hauptstrassen blau, Nebenstrassen weiss, und beim Wandern führen gelbe Wegweiser durchs Tal, weiss-rot-weisse in die Berge. Eine Übersicht der Schweizer Verkehrssignale bei Signs CH ordnet die wichtigsten Gruppen, was unterwegs einiges Rätseln erspart.

Weniger Kilometer, mehr Tag

Der häufigste Planungsfehler ist die Karte. Auf ihr liegen Luzern und Lugano nah beieinander, dazwischen stehen aber Pässe, Baustellen und Reisebusse, die auf der Kehre vor Ihnen anhalten. Als Faustregel gilt: Wer in den Bergen unterwegs ist, rechnet mit der Hälfte des Tempos, das das Navigationsgerät verspricht.

Die bekannten Panoramastrecken verdienen ohnehin Zeit. Die Kette von Grimsel, Furka und Susten lässt sich in einem Tag fahren, wird aber erst schön, wenn man sie auf zwei verteilt. Ähnliches gilt für den Klausen, den Albula und die Strecken über den Jura, die abends dieses flache Licht über die Hügel legen.

Ein Tipp aus der Praxis: Passstrassen früh fahren. Zwischen sieben und neun Uhr sind die Kehren leer, die Luft klar, und die Parkplätze an den Aussichtspunkten noch nicht von Reisebussen besetzt.

Im Dorf gehört das Auto an den Rand

Schweizer Dörfer sind nicht fürs Auto gebaut, und das ist ihr Glück. Die Gassen in den Altstädten von Gruyères, Stein am Rhein oder Guarda sind eng, oft mit Kopfsteinpflaster, und manche sind für den Verkehr ganz gesperrt.

Die entspannteste Methode funktioniert überall gleich: Auto am Ortsrand abstellen, wo meist ein grösserer Parkplatz ausgeschildert ist, und die letzten Minuten zu Fuss gehen. Man sieht mehr, findet die Bäckerei, die vom Auto aus unsichtbar bleibt, und spart sich das Manövrieren in einer Gasse, die in einem Innenhof endet.

Zwei Dinge lohnen Aufmerksamkeit. In Begegnungszonen gelten 20 km/h und Zufussgehende haben Vortritt, was in Altstadtgassen der Normalfall ist. Und in Quartieren ohne Signalisation gilt Rechtsvortritt, also Vortritt für das Fahrzeug von rechts, auch wenn die Strasse von links breiter wirkt.

Parkieren bei Sehenswürdigkeiten

Beim Parkieren verliert man als Gast am meisten Zeit und gelegentlich Geld. Ein paar Punkte nehmen das Thema aus dem Weg:

  • Die blaue Zone braucht eine Parkscheibe hinter der Windschutzscheibe. Sie liegt in vielen Mietwagen im Handschuhfach, kostet sonst wenig und erlaubt in der Regel eine Stunde; die genaue Dauer steht auf der Zusatztafel.
  • Weisse Felder sind gebührenpflichtig, bezahlt wird am Automaten oder per App, meist mit Anzeige der Platznummer.
  • Bei Bergbahnen, Schifffahrtsstegen und Museen gibt es oft einen Tagestarif, der günstiger ist als die Stunden zusammengerechnet.
  • Park-and-Ride-Plätze am Stadtrand sind bei Ausflügen nach Zürich, Bern oder Luzern fast immer die bessere Wahl als die Suche in der Innenstadt.
  • Gelb markierte Flächen sind privat oder reserviert. Dort steht man auch an einem leeren Sonntagmorgen falsch.

Bei beliebten Ausflugszielen am Wasser ist der Parkplatz an heissen Sommertagen oft vor dem Mittag voll. Wer um zehn kommt, findet einen Platz, wer um zwei kommt, kreist.

Bergstrassen fahren sich gelassener als gedacht

Der Respekt vor Pässen ist meistens grösser als nötig. Die Strassen sind gut unterhalten, breiter als auf Fotos und mit Ausweichstellen versehen. Was man braucht, ist Gelassenheit und ein Blick in den Rückspiegel.

Drei Gewohnheiten helfen. Beim Kreuzen fährt bergab zur Ausweichstelle zurück, wenn das bergauffahrende Fahrzeug keine hat. Postautos und Linienbusse haben auf signalisierten Bergpoststrassen Vortritt, erkennbar am gelben Posthorn auf blauem Grund, und ihre Fahrenden dürfen Anweisungen geben. Und wenn sich hinter Ihnen eine Kolonne bildet, nutzen Sie die nächste Bucht, winken durch und fahren anschliessend wieder in Ihrem Tempo.

Für lange Tunnel und gesperrte Pässe gibt es eine typisch schweizerische Lösung: Das Auto fährt per Bahn durch den Berg. Am Lötschberg, am Furka und über die Vereinastrecke rollen Autos auf Züge und sind nach kurzer Fahrt auf der anderen Seite. Betrieben wird das von Bahnunternehmen, die dem Bundesamt für Verkehr unterstehen, und es ist an Wintertagen die bequemste Art, ins Wallis oder nach Graubünden zu kommen.

Wetter entscheidet mehr als der Kalender

In den Bergen ist die Jahreszeit kein Datum, sondern ein Zustand. Viele hohe Alpenpässe sind über den Winter geschlossen und öffnen je nach Schneelage im Frühling oder Frühsommer. Dazwischen liegen Wochen, in denen eine Strecke morgens offen und abends gesperrt sein kann.

Der Winterdienst auf den Nationalstrassen läuft von Oktober bis April. Informationen zu den Schweizer Strassenverkehrsvorschriften veröffentlicht das Bundesamt für Strassen (ASTRA). Auf Passstrassen gilt das nur eingeschränkt, und das Signal mit den Schneeketten ist eine Vorschrift und keine Empfehlung.

Praktisch heisst das: Vor einer Passfahrt den Strassenzustand prüfen, im Frühling und Herbst eine Alternative im Kopf haben, und bei Nebel in den Tälern lieber eine Stunde später starten. Gewitter am Nachmittag sind im Sommer normal, weshalb Bergetappen besser vormittags liegen.

Das Nötigste vor der Abfahrt

Mehr als diese Punkte braucht es für die Fahrt nicht:

  • Vignette für Autobahnen und Autostrassen: 40 Franken, nur als Jahresvignette, als Kleber oder elektronisch. Anhänger und Wohnwagen brauchen eine eigene.
  • Licht einschalten, auch am Tag. Bei manchen Modellen genügt das Tagfahrlicht nicht, weil hinten nichts leuchtet.
  • Tempo: 50 innerorts, 80 ausserorts, 100 auf Autostrassen, 120 auf Autobahnen, wenn kein Signal etwas anderes sagt.
  • Alkohol: 0,5 Promille, für Lenkende mit Führerausweis auf Probe praktisch null.
  • Parkscheibe ins Auto, Kleingeld oder Park-App aufs Handy.

Kontrolliert wird in der Schweiz zuverlässig, und Bussen kommen per Post auch Monate später noch an. Das ist der unromantische Teil, und er ist in zwei Minuten erledigt.

Dann einfach fahren

Eine Autoreise durch die Schweiz belohnt niemanden, der Strecke macht. Sie belohnt die Pause am Bergsee, den Umweg über die Nebenstrasse und das Dorf, in dem man eigentlich nur tanken wollte.

Wer früh startet, kurze Etappen plant und das Auto rechtzeitig stehen lässt, kommt abends entspannter an als mit jedem gesparten Kilometer. Der Rest ergibt sich auf der Strasse, und das ist bei dieser Kulisse kein schlechter Plan.

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